Das Wichtigste in Kürze
Eine Steuerberater-Website hat zwei Leser mit ganz verschiedenen Fragen. Mandanten wollen wissen, ob die Kanzlei für sie zuständig ist und wie ein Wechsel abläuft. Bewerber wollen wissen, wie bei Ihnen gearbeitet wird. Wer beides klar beantwortet und seine Schwerpunkte sichtbar macht, bekommt weniger, aber deutlich passendere Anfragen und wird von Fachkräften überhaupt erst gefunden.
01Warum so viele Kanzlei-Seiten gleich aussehen
Öffnen Sie drei Steuerberater-Websites aus Ihrer Stadt nebeneinander. Mit großer Wahrscheinlichkeit stehen auf allen dreien dieselben Begriffe: Finanzbuchhaltung, Lohnbuchhaltung, Jahresabschluss, Steuererklärung, betriebswirtschaftliche Beratung. Dazu ein Bild von einem Taschenrechner und der Satz, man sei ein verlässlicher Partner an der Seite seiner Mandanten.
Das ist kein Vorwurf an die Kanzleien. Viele Auftritte stammen aus Baukästen von Branchenanbietern, in denen genau diese Textbausteine vorgegeben sind. Tausende Kanzleien in Deutschland arbeiten mit denselben Vorlagen. Für Google sind solche Seiten kaum voneinander zu unterscheiden, und für einen Unternehmer, der gerade einen neuen Berater sucht, auch nicht.
Das Ergebnis kennen Sie vermutlich: Wer anruft, hat sich nicht für Sie entschieden, sondern für die Nummer, die zuerst auf dem Bildschirm stand. Und dann sitzen Sie im Erstgespräch mit jemandem, dessen Mandat Sie am Ende gar nicht annehmen wollen.
02Für wen ist Ihre Kanzlei gemacht?
Die wirksamste Änderung an einer Kanzlei-Website ist selten gestalterisch, sondern inhaltlich: Sagen Sie, welche Mandanten Sie betreuen.
Viele Kanzleien zögern hier, weil sie fürchten, damit andere Mandate auszuschließen. In der Praxis passiert das Gegenteil. Die Mandate, die ohnehin über Empfehlung kommen, kommen weiter. Zusätzlich finden Sie die Unternehmer, die gezielt jemanden suchen, der ihre Branche versteht, und die dafür bereit sind, den Berater zu wechseln.
„Wir beraten Unternehmen jeder Größe“
- Jede Anfrage muss im Erstgespräch erst einmal sortiert werden
- Der Interessent kann nicht einschätzen, ob er bei Ihnen richtig ist
- Bei Google stehen Sie in einer Reihe mit jeder anderen Kanzlei im Ort
- Sie erklären in jedem Gespräch dieselben Grundlagen neu
„Wir betreuen Arztpraxen, Handwerksbetriebe und Onlinehändler“
- Der Interessent ordnet sich selbst ein, bevor er zum Hörer greift
- Sie werden fachlich gefunden, auch über Ihre Stadt hinaus
- Sie können konkret werden: Kassenführung in der Gastronomie, Umsatzsteuer im Onlinehandel, Investitionsabzugsbetrag im Handwerk
- Im Erstgespräch geht es sofort um die Sache
Zwei bis vier Schwerpunkte reichen. Jeder bekommt eine eigene Unterseite, auf der in der Sprache dieser Branche steht, welche Fragen dort typischerweise auftauchen und wie Sie damit umgehen.
03Was auf eine Steuerberater-Website gehört
Eine Kanzlei-Website braucht nicht viele Seiten. Sie braucht die richtigen:
| Baustein | Welche Frage er beantwortet |
|---|---|
| Schwerpunkte statt Leistungsliste | „Versteht diese Kanzlei mein Geschäft?“ Je eine Seite pro betreuter Branche. |
| Team mit Gesichtern | „Mit wem habe ich es zu tun?“ Wer ist Ansprechpartner, wer macht die Lohnbuchhaltung, wer den Jahresabschluss. |
| Ablauf des Beraterwechsels | „Wie viel Aufwand ist der Wechsel?“ Die größte Hürde überhaupt. Wer sie abräumt, bekommt die Anfrage. |
| Eingesetzte Programme | „Passt das zu meiner Buchhaltung?“ DATEV, digitale Belegübergabe, Schnittstellen zu Kassensystem oder Shop. |
| Karrierebereich | „Will ich hier arbeiten?“ Für viele Kanzleien der wichtigste Teil der Seite. |
| Fachbeiträge | „Wissen die, wovon sie reden?“ Und: der Weg, über den Google Sie überhaupt findet. |
| Anfrage mit Vorsortierung | „Wie nehme ich Kontakt auf?“ Mit den Angaben, die Sie ohnehin brauchen. |
Dass eine Seite das Erklären übernehmen kann, hört man am besten von denen, die es erlebt haben: In den Videos unter diesem Artikel erzählen Kunden aus beratenden Berufen, was sich für sie geändert hat.
Was dagegen fast nie gebraucht wird: eine Unterseite pro Einzelleistung, ein Glossar mit hundert Steuerbegriffen oder ein Nachrichtenticker mit eingekauften Meldungen, die auf tausend anderen Kanzlei-Seiten genauso stehen.
04Anfragen vorsortieren, bevor das Telefon klingelt
Ein Erstgespräch mit jemandem, dessen Mandat Sie am Ende ablehnen, kostet eine halbe Stunde, die Ihnen an anderer Stelle fehlt. Die Website kann solche Gespräche verhindern, bevor sie entstehen.
- Sagen Sie, wen Sie betreuen, und in welcher Größenordnung. „Wir arbeiten mit inhabergeführten Betrieben ab etwa zehn Mitarbeitern“ ist eine Information, keine Abfuhr.
- Erklären Sie, wie abgerechnet wird. Nicht in Zahlen, sondern im Prinzip: Vergütungsverordnung, Pauschalvereinbarung, was den Aufwand treibt. Wer das vorher liest, fragt es nicht mehr im Erstgespräch.
- Fragen Sie im Formular das Nötige ab. Rechtsform, Branche, ungefähre Mitarbeiterzahl, bisheriger Berater, Anliegen. Fünf Felder, aus denen Sie sofort erkennen, ob es passt.
- Nennen Sie, was Sie nicht machen. Reine Einkommensteuererklärungen für Angestellte zum Beispiel. Das spart beiden Seiten Zeit.
Kundenstimmen im Video ansehen
05Der Karrierebereich ist kein Anhängsel
Fragen Sie zehn Kanzleiinhaber, was gerade schwerer zu bekommen ist, neue Mandate oder neue Mitarbeiter. Die Antwort fällt eindeutig aus. Trotzdem besteht der Karrierebereich auf den meisten Kanzlei-Websites aus einem Satz und einer E-Mail-Adresse.
Womit gearbeitet wird
Welche Programme, wie digital die Belegübergabe läuft, ob es noch Pendelordner gibt. Fachkräfte entscheiden danach.
Wie gearbeitet wird
Mobiles Arbeiten, Arbeitszeitmodell, Umgang mit der Saison. Konkret statt „familiäres Betriebsklima“.
Wer dort arbeitet
Echte Fotos aus den Räumen und vom Team statt Stockbildern von lächelnden Menschen im Großraumbüro.
Bewerbung in zwei Minuten
Ein kurzes Formular statt „vollständige Unterlagen per Post“. Gute Leute bewerben sich abends vom Handy.
Ein ernst gemeinter Karrierebereich rechnet sich oft schneller als jede Mandantenakquise: Eine besetzte Stelle bedeutet, dass Sie wieder Mandate annehmen können.
06Gefunden werden: lokal und fachlich
Steuerberater werden auf zwei sehr verschiedenen Wegen gesucht, und eine gute Website bedient beide.
Lokal. „Steuerberater“ plus Ort ist die häufigste Suche. Dafür zählt vor allem ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit Fotos, Öffnungszeiten und Bewertungen, dazu eine Website, die Ort und Umgebung tatsächlich benennt. Wie das im Einzelnen funktioniert, steht in unserem Beitrag zur lokalen Suchmaschinenoptimierung.
Fachlich. Hier liegt das größere, selten genutzte Potenzial. Unternehmer googeln ihre konkreten Fragen: Wie lange muss ich Kassenbelege aufbewahren? Wann lohnt sich der Wechsel in die GmbH? Was ändert sich bei der Umsatzsteuer, wenn ich über eine Plattform ins Ausland verkaufe? Wer solche Fragen auf seiner Seite sauber beantwortet, wird von Unternehmern gefunden, die noch gar nicht nach einem Berater gesucht haben, und zwar unabhängig vom Standort.
Denselben Effekt haben diese Beiträge inzwischen in KI-Assistenten: Wer ChatGPT oder Perplexity eine steuerliche Frage stellt, bekommt Antworten, die sich auf gut strukturierte Fachseiten stützen. Ob Ihre Seite für Google und für KI-Suchen überhaupt lesbar ist, zeigt unser kostenloser Webseiten-Check.
07Wovon der Preis abhängt
Eine Einzelkanzlei mit zwei Schwerpunkten ist ein anderes Projekt als eine Sozietät mit vier Standorten, Karriereportal und Mandantenbereich. Diese Punkte bestimmen den Aufwand:
- Zahl der Schwerpunkte: Jede betreute Branche bekommt eine eigene Seite mit eigenen Texten.
- Team und Standorte: Zwei Partner oder zwanzig Mitarbeiter an drei Adressen.
- Karrierebereich: Eine einzelne Stellenseite oder ein Bereich mit mehreren Positionen und Bewerbungsstrecke.
- Mandantenportal: Anbindung an die Lösung, mit der Sie Dokumente austauschen.
- Fachtexte: Schreiben Sie selbst, oder entwickeln wir die Texte mit Ihnen aus Ihren Erstgesprächen?
Im Erstgespräch gehen wir diese Punkte durch. Danach steht ein fester Preis, den wir nicht mehr anfassen.
08Die häufigsten Fehler auf Kanzlei-Websites
✕So bleibt die Seite wirkungslos
- Leistungsliste aus dem Branchenbaukasten, Wort für Wort wie bei der Kanzlei zwei Straßen weiter
- Kein einziges Gesicht, dafür Taschenrechner und Aktenordner als Symbolbilder
- Nachrichtenticker mit eingekauften Steuermeldungen, die niemand liest
- Der Karrierebereich besteht aus „Initiativbewerbungen willkommen“
- Kontakt nur über ein Formular mit Pflichtfeld „Betreff“
- Kein Wort darüber, wie ein Beraterwechsel praktisch abläuft
✓So wird sie zum Werkzeug
- Eigene Texte, in denen die Mandanten vorkommen, die Sie wirklich betreuen
- Team mit Namen, Fotos und Zuständigkeiten
- Fachbeiträge zu den Fragen, die Mandanten Ihnen tatsächlich stellen
- Karrierebereich mit Programmen, Arbeitszeiten und kurzer Bewerbung
- Anfrageformular, das Rechtsform, Branche und Anliegen abfragt
- Eine Seite, die den Beraterwechsel Schritt für Schritt erklärt
Fazit
Webdesign für Steuerberater ist zum größten Teil eine inhaltliche Aufgabe. Die Kanzleien, die online vorne stehen, haben nicht die schönsten Seiten, sondern die eindeutigsten: Sie sagen, für wen sie da sind, wie die Zusammenarbeit abläuft und wie es ist, dort zu arbeiten. Das sortiert Anfragen vor, spart Erstgespräche und erreicht Fachkräfte, die über Stellenportale nie zu Ihnen gefunden hätten. Wenn Sie wissen wollen, was davon bei Ihrer Kanzlei noch fehlt, sprechen wir zwanzig Minuten darüber.










